Jahresrückblick 2020

Jahresrückblick 2020

Ein Jahr ist vergangen, seitdem wir begonnen haben anzupacken. Wir haben nicht nur 17 volle Trucks mit tausenden Kleidungs- und Hygieneartikeln, Lebensmitteln und sogar Fahrrädern verschickt und damit das Leid Vieler gelindert - wir haben Hoffnung gegeben: Hoffnung für tausende Menschen auf der Flucht, dass nicht alle im reichen Norden Europas den Blick abwenden und ihre Herzen verschließen. Und Hoffnung für Menschen guten Willens hier, dass es möglich ist, etwas zu tun, und dass es Menschen gibt, die einfach anpacken und loslegen. Wir möchten allen danken, die uns dabei auf die unterschiedlichste Art und Weise untersützt haben. Auch für das kommende Jahr steht für uns fest: Wir packen’s an!

Januar | #machtdentruckvoll

Als Andreas zu Weihnachten 2019 vom heimischen Sofa aus die Bilder vom Flüchtlingslager auf Samos im Fernsehen sah, von Müttern mit Neugeborenen auf dem Schotter liegend, motivierte ihn das sofort zu handeln. Er rief zu Sachspenden für die griechischen Flüchtlingslager auf. Miriam und Axel starteten unter dem Motto #MachtdenTruckvoll einen Aufruf auf Facebook, und die Resonanz war überwältigend. Es gab 4 Sammelstellen in Berlin, und täglich trafen Pakete aus ganz Deutschland in Bad Freienwalde ein. Unzählige Menschen aus der Region packten mit an. Aus #MachtdenTruckvoll wurde #MachtdieTrucksvoll.

Februar | Vereinsgründung

4 Hilfstransporte nach Lesbos, Samos, Thessaloniki und Chios entstanden aus unserer Initiative. Das hieß Logistik organisieren, mit Partnerorganisationen reden, Social Media aufbauen, Spenden akquirieren, sammeln, sortieren und verpacken und vieles mehr. Miriam war bei der Ankunft des Trucks in Chios vor Ort, Axel flog nach Thessaloniki. Daraus entstanden Kooperationen mit Hilfsorganisationen vor Ort. Aus der Idee der “Drei” war aber längst eine größere Gruppe entstanden. So kam es am 29. Februar zur Vereinsgründung. 9 engagierte Menschen standen als Gründungsmitglieder für die Idee der Nothilfe für Geflüchtete aus Berlin-Brandenburg.

März | Corona Klinik

Im März kam die Corona-Pandemie nach Europa, und das Virus machte auch vor den geflüchteten Menschen in den Lagern an den Außengrenzen keinen Halt. Schlechte medizinische Versorgung und ein Immunsystem, das von Flucht und menschenunwürdigen Bedingungen im Lager geschwächt ist, gefährdeten sie ganz besonders. Gemeinsam mit unserem medizinischen Kooperationspartner SMH rüsteten wir auf Chios eine Corona-Klinik im Lager Vial mit Medikamenten, Schutzausrüstung und Behandlungsgeräten aus. Mit Hilfe unzähliger Spenden war es möglich, den geflüchteten Menschen im Lager Vial wenigstens eine minimale medizinische Versorgung in Zeiten der Pandemie zur Verfügung zu stellen.

April | Vial Brennt

Im Lager Vial auf Chios starb eine Frau. Sie wurde nach Tests im Krankenhaus von Chios ins Lager zurückgebracht und in unserer Notstation versorgt. Obwohl sich ihr Zustand verschlechterte, konnte sie trotz der Bemühungen unserer Partner nicht ins Krankenhaus zurückgebracht werden. Als ihr Tod bekannt wurde, nahmen die Spannungen im Lager zu und die Ängste der Camp-Bewohner*innen explodierten. Proteste, Auseinandersetzungen und Brände folgten. Das Feuer zerstörte Zelte und zwang verzweifelte Familien zur Flucht in die umliegenden Felder. Diese Eskalation war das Ergebnis einer seit Jahren schon andauernden täglichen Verletzung der Menschenrechte im Lager Vial und der aktuellen Angst und Bedrohung durch Corona.

Mai | Masken

Während in ganz Europa Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus umgesetzt wurden, waren die Flüchtenden in den Lagern in Griechenland der Ansteckung völlig schutzlos ausgeliefert. Nicht einmal Mund-Nase-Bedeckungen wurden zur Verfügung gestellt, um einen Mindestschutz zu gewährleisten. Wir packen’s an rief zu Maskenspenden auf und die Resonanz war überwältigend! Wir konnten über 40.000 Masken in die Lager schicken: Darunter professionelle FFP2-Masken, die solidarische Hersteller zu fairen Preisen an NGOs weitergaben. Andere Textilhersteller, die von Modeartikeln auf Masken umsattelten, spendeten großzügig an uns, so dass wir weitere FFP2-Masken kaufen konnten. Aber vor allem erhielten wir über 6.000 selbstgenähte Masken aus ganz Deutschland – jede Naht eine liebevolle Botschaft der Menschlichkeit.

Juni | Bewegungsfreiheit

Bewegungsfreiheit ist ein Menschenrecht. Deshalb freuten wir uns über eine Spende von 142 Fahrrädern, die wir auf die Insel Chios schickten. Das Flüchtlingslager Vial auf der Insel Chios liegt weit weg von allen Einrichtungen und Behörden im Inselinneren. Die Bewohner*innen müssen oft stundenlange Fußwege in Kauf nehmen, wenn sie von A nach B wollen. Deshalb “bewarben” sich über 700 Menschen auf die Fahrräder, letztendlich musste eine Auswahl nach Kriterien der Bedürftigkeit getroffen werden. Neben der Freude, einen “Fahrrad-Truck” schicken zu können, wurde uns schnell deutlich, dass eigentlich noch viele mehr gebraucht werden. Einer der schönsten Momente des Jahres war es, strahlende Menschen vor dem Lager Vial auf unseren Fahrrädern fahren zu sehen.

Juli | Smart Hero Award 2020

Wir wurden am 29. Juli für den Smart Hero Award nominiert. Aus über 400 Bewerbungen wurden wir für die Kategorie “Sozial Handeln” ausgewählt. Den ganzen Sommer über veranstalteten wir ein wahres Feuerwerk auf unseren Social Media Kanälen - und es hat sich gelohnt: „In dieser Zeit ist es wichtig, dass unsere Solidarität grenzenlos ist. Die Corona Krise versteckt die Humanitäre Krise in den griechischen Lagern, da wird zivilgesellschaftliche Solidarität umso wichtiger,“ betonte Laudator Dr. Chadi Bahouth bei der Verleihung des 2. Platzes an Wir packens an. Der Preis war mit 10.000 € dotiert, die nun direkt Menschen auf der Flucht zugute kommen.

August | Katja Riemann

Die Schauspielerin Katja Riemann besuchte im August mehrere Tage zusammen mit unserer Miriam und unserem Axel das Flüchtlingslager Vial auf Chios, sprach mit lokalen NGOs und Geflüchteten, und machte sich so selbst ein Bild von der Lage vor Ort. Was Katja ganz besonders von ihrer Zeit auf Chios in Erinnerung bleibt? Unser Besuch im Lager Vial – und die Tatsache, dass es solche Zustände mitten in Europa gibt. „Ich habe viele humanitäre Projekte in den letzten 20 Jahren gesehen. Der einzige Unterschied ist wahrscheinlich der, dass wir jetzt einen Field-Trip innerhalb Europas machen. Das ist, glaube ich, der entscheidende Unterschied. Dass man irgendwie denkt, das ist Europa, da läuft ja immer alles. Und jetzt fühlt sich aber keiner so richtig zuständig. Und diejenigen, die zuständig sind, haben keinen Plan, so scheint es mir zumindest.

September | Nothilfe Lesbos

Am 9. September 2020 brannte das Lager Moria auf Lesbos vollständig nieder und viele der mehr als 13.000 Bewohner*innen verloren in den Flammen ihr letztes Hab und Gut. In den folgenden Tagen mussten sie ohne jegliche Versorgung in Straßengräben oder den Wäldern der Insel ausharren. Wir reagierten sofort und starteten eine Spendenkampagne, bei der unglaubliche 19.000 € zusammen kamen. Axel flog nach Lesbos und kaufte für 9.000 € Lebensmittel und half mit, sie zu verteilen. Noch während er auf der Insel war, wurde ein neues Lager aus dem Boden gestampft. Wir halfen mit die Zelte dort mit Holzböden auszustatten, damit die Bewohner*innen wenigstens nicht auf der schlammigen Erde liegen müssen.

Oktober | Wintersammlung

Den ganzen Oktober über lief unsere große Wintersammelaktion „Unsere Solidarität ist grenzenlos“. Angesichts des nahenden Winters riefen wir zu Spenden von warmer Kleidung, Decken, Zelten und Hygieneartikeln auf. Wir hofften darauf, drei Trucks damit zu füllen und zu unseren Partnern zu schicken. Neben Griechenland waren erstmals auch Transporte nach Bosnien und Rojava/Nordsyrien geplant. Die Resonanz auf den Spendenaufruf war überwältigend und stellte alle vorherigen Pläne auf den Kopf. In ganz Deutschland entstanden über 40 Sammelstellen, zahlreiche Firmen stellten Sachspenden bereit und jeden Tag wurden bergeweise Pakete in unserer Lagerhalle angeliefert. Gruppen von Bremerhaven bis Naumburg, von Rostock bis Würzburg schickten Transporter voller Sachspenden nach Bad Freienwalde, unsere Lagerhalle platzte förmlich aus allen Nähten.

November | Chor-Singen

Während in Deutschland die gemütliche Adventszeit eingeläutet wurde, müssen tausende Menschen an den Grenzen Europas in Kälte, Schlamm und Elend ausharren. Sie frieren, sie haben nichts zu essen und sie finden keine Herberge. Um ein deutliches Zeichen gegen dieses Herzversagen zu setzen, veranstaltete Wir packen’s an am 29.11.2020 ein Adventssingen vor dem Bundestag in Berlin. Mit dabei waren Dota Kehr, Abdulkader Asli, Nicolás Rodrigo Miquea, die Steinlandpiraten, Mitglieder des Hans Beimler Chor, Jogida – Jodel Offensive gegen Idiotisierung durch Angst, der Frauenchor Judiths Krise, Karl Nümmes, Straßenrock und der Protest-Opern-Chor Lauratibor. Gemeinsam mit hunderten weiteren solidarischen Menschen sangen wir bei klirrender Kälte gegen die unmenschliche Flüchtlingspolitik der Europäischen Union an.

Dezember | 8 Hilfstransporte

Im Dezember ging unsere Winterhilfsaktion in den Endspurt. Über 500 Kubikmeter Sachspenden in mittlerweile drei Lagerhallen waren sortiert und verpackt worden. Möglich war dies nur dank zahlreicher Helfer*innen aus ganz Deutschland. Insgesamt 8 Hilfstransporte verließen Bad Freienwalde in Richtung Griechenland, nach Bosnien und nach Rojava/Syrien. Wir schickten unter anderem 100.000 Kleidungsstücke, 50.000 Windeln, 25.000 Gläser Babynahrung, 10.000 Portionen Folgemilch, 30 Paletten Müsliriegel, 6.000 Liter Desinfektionsmittel, 4 Waschmaschinen und 2 Trockner zu den schutzsuchenden Menschen an Europas Grenzen, wo sie bereits verteilt werden.

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Unser erstes Jahr Wir packen’s an ist rum, und wir sind noch ganz außer Atem von den vielen Ereignissen – tollen und traurigen – die sich überschlagen haben. Wir haben viel erreicht, viel mehr als wir in unseren kühnsten Träumen vor einem Jahr gedacht hätten, sind wunderbaren Menschen begegnet und sind im wahrsten Sinne des Wortes an den Herausforderungen gewachsen.

Diese 12 besonderen Momente dieses verrückten Jahres wollen wir gerne noch einmal mit dir teilen.

Auch für das kommende Jahr steht für uns fest: Wir sind grenzenlos solidarisch mit Menschen auf der Flucht und wir packen’s an! Sei dabei und unterstütze uns mit deiner Spende.