Zum Inhalt springen

Humanitäre Hilfe in der Ukraine: Hoffnung bringen, wo sie gebraucht wird – Teil 2


Unterwegs nach Kyjiw

Die Reise selbst ist alles andere als einfach. Unterwegs schickt uns Tomek ein Video von einer der Hauptzufahrtsstraßen nach Kyjiw. Früher galt sie als eine der besten Straßen des Landes. Heute ist sie stark beschädigt.

Auch das Wetter macht die Fahrt nicht leichter. Schneeschmelze und aufgeweichter Boden erschweren den Weg in abgelegene Dörfer.

„Ich werde versuchen, euch ein kurzes Update über den heutigen Tag zusammenzustellen, solange das Hotel noch Strom hat. Der Strom wird hier nach einem Zeitplan geschaltet: zwei Stunden an, drei Stunden aus.“ Alltag in einem Land, dass sich seit vier Jahren im Krieg befindet.

Erste Station: Tschyhyryn

Der erste Verteilungstag führt Tomek und sein Team in die kleine Stadt Tschyhyryn. Hier arbeitet die Freedom Space Foundation mit lokalen Sozialdiensten zusammen. Sie unterstützen Binnenvertriebene, kinderreiche Familien und ältere Menschen – viele von ihnen mit Behinderungen, die ohne ausreichende Betreuung zurückgeblieben sind.

Die Region hatte schon vor dem Krieg eine vergleichsweise alte Bevölkerung, doch diese Zahl hat sich inzwischen verdoppelt oder sogar verdreifacht. Seit Kriegsbeginn sind viele jüngere Menschen in andere Teile der Ukraine oder nach Europa gegangen. Zurück bleiben oft ihre Eltern oder Großeltern. Gleichzeitig sind viele Männer, die ihre Familien früher unterstützt haben, im Krieg gefallen oder dienen an der Front.

Die Folge: eine enorme Belastung für die kommunalen Sozialdienste.

Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.

Ein Pflegeheim am Rand der Möglichkeiten

Eine der ersten Stationen ist ein Pflegeheim für ältere Menschen. Über 40 Bewohner leben hier, viele von ihnen bettlägerig. Nur fünf oder sechs können sich noch selbstständig bewegen. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 85 Jahren. Das Gebäude wurde in den 1970er Jahren als Kindergarten gebaut und vor über zehn Jahren zu einem Pflegeheim umfunktioniert.

„Wir lieferten Erwachsenenwindeln und medizinische Einlagen – die wir bei unserem letzten Besuch in Biesenthal von euch erhalten haben“, berichtet Tomek. „Sowie etwas Süßes und Tee.“

Doch während des Besuchs wird schnell klar: Der Bedarf ist deutlich größer.

Es scheint, als ob seit der Zeit der Sowjetunion kaum noch in diese Einrichtung investiert wurde. Besonders problematisch ist die Wäscherei.
Die Industrie-Waschmaschine mit 30 Kilogramm Kapazität ist kaputt gegangen. Für mehr als 40 Bewohner:innen fällt täglich enorme Wäsche an. Momentan laufen zwei kleine Haushaltsmaschinen fast rund um die Uhr. Auch der alte Trockner funktioniert mittlerweile nicht mehr. „Sie benötigen eine große industrielle Waschmaschine und einen Trockner. Vielleicht habt ihr in eurem Netzwerk gebrauchte, aber gut erhaltene Geräte?“, fragt die Heimleiterin schüchtern.

Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.

Auch die Küche arbeitet unter schwierigen Bedingungen. Viele Geräte konnten bereits organisiert werden.

Doch der Ofen stammt noch aus der Sowjetzeit und funktioniert kaum noch. Trotzdem werden hier täglich Brot, Kuchen und andere Speisen für alle Bewohner:innen gekocht. Ein neuer funktionierender Ofen wäre deshalb mehr als nur ein Küchengerät. Er ist Teil der Grundversorgung.

Später führt die Reise nach Orbita: eine fast vergessene Stadt

Heute stehen hier nur noch zwei Wohnblöcke mitten im Wald. In den 1970er Jahren sollte hier einmal eine Stadt für bis zu 30.000 Menschen entstehen. Sie wurde für ein geplantes Atomkraftwerk gebaut. Wohnhäuser, Geschäfte, Schule, Kino, Theater – alles war bereits angelegt. Menschen aus der gesamten Sowjetunion zogen hierher.

Dann kam die Katastrophe von Tschernobyl. Das Kraftwerksprojekt wurde gestoppt. Die Arbeitsplätze verschwanden. Die Menschen zogen weg.

Heute leben in Orbita nur noch wenige ältere Menschen und einige Binnenvertriebene. Es gibt keine Geschäfte, keine Klinik, keinen Bus. Für jede Besorgung müssen die Menschen über zehn Kilometer in die nächste Stadt fahren.

Hier besucht Tomek mehrere Bewohner:innen und verteilt Decken, Lebensmittel und Taschenlampen. Einer von ihnen ist Ivan. Seine monatliche Rente beträgt weniger als 60 Euro. Er lebt allein in einer Wohnung in einem der verbliebenen Gebäude, umgeben von Wald. „Er hat uns mit einem großen Lächeln begrüßt“, schreibt Tomek. „Und er hat sich besonders über die warme Decke gefreut.“

Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.

Ratscheve: Hilfe auf zwei Rädern

Die nächste Station ist das Dorf Ratseve. „Während unserer Besuche wurde mir wieder bewusst“, schreibt Tomek, „wie sehr kleine Dinge das Leben der Menschen verändern können.“

Doch der Reihe nach: Zunächst traf Tomek die Leiterin des Sozialdienstes. Sie äußerte gleich eine konkrete Bitte. „Könnten gebrauchte Fahrräder für ihre Mitarbeitende organisiert werden?“

Wie wichtig das ist, wurde klar, als Tomek mit einer Mitarbeiterin unterwegs war. Ludmilla ist bereits im Rentenalter. Junge Menschen sind selten bereit, diese Arbeit für so wenig Geld zu übernehmen. Gemeinsam besuchten sie ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, kinderreiche Familien und Binnenvertriebene. Sie betreut sieben Menschen im Alter von 80 bis 90 Jahren, verteilt über das ganze Dorf.

Mehrmals pro Woche kocht sie Mahlzeiten bei sich zu Hause, füllt sie in Gläser und bringt sie zu ihren Patient:innen. Sie erledigt Einkäufe, kümmert sich um Dokumente und erledigt Behördengänge.

Ihr wichtigstes Transportmittel ist ein Fahrrad. Als Tomek ihr „Dienstfahrzeug“ sieht, wird klar, wie alt es ist – wohl noch aus sowjetischer Zeit. Ein einfaches, funktionierendes Fahrrad könnte ihren Alltag deutlich erleichtern.

Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.
Hilfstransport Ukraine, Wir packen's an e.V.

Zurück in Krakau

Nach der Rückkehr nach Krakau meldet sich Tomek erschöpft, aber zufrieden. Die Fahrt dauerte die ganze Nacht. Schlaf gab es nur wenige Stunden.

Doch für ihn ist klar, warum solche Einsätze wichtig sind.

„Diese Menschen brauchen die Hilfe wirklich“, sagt er. „Sie befinden sich in einer äußerst schwierigen finanziellen Lage.“ Aber mindestens genauso wichtig sei etwas anderes. „Sie brauchen Hoffnung“, sagt Tomek. „Und das Gefühl, dass sie nicht vergessen sind.“

Für uns sind solche Berichte mehr als Reiseprotokolle. Sie zeigen, wo Hilfe tatsächlich ankommt und wo Menschen weiterhin Unterstützung brauchen. Sie erinnern uns auch daran, wie viel durch Zusammenarbeit möglich wird.
Dass wir helfen können, liegt an den vielen Menschen, die unsere Arbeit unterstützen: Ehrenamtliche, Partnerorganisationen und Spender:innen. Ohne sie wären solche Einsätze nicht möglich.

Oder, wie Tomek am Ende seiner Nachricht schreibt:
„Noch einmal vielen Dank von ganzem Herzen, denn ohne euch und euren vielen Spender:innen, hätte ich diesen Einsatz nicht durchführen können. Danke!“

Und genau deshalb machen wir weiter. Weil Hilfe gebraucht wird. Und weil jede Unterstützung zeigt: Die Menschen dort sind nicht vergessen.