Humanitäre Hilfe bedeutet mehr als nur Hilfsgüter zu liefern. Sie bedeutet zuhören, verstehen und gemeinsam mit lokalen Partnern Lösungen finden, die im Alltag wirklich funktionieren.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs unterstützt wir Menschen in der Ukraine sowie Menschen, die aus der Ukraine nach Polen flüchten mussten. Für uns ist klar: Nachhaltige Hilfe funktioniert nur in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Sie wissen am besten, was gebraucht wird, welche Wege funktionieren und wo Unterstützung tatsächlich ankommt.
Eine dieser Partnerorganisationen ist die „Freedom Space Foundation“ (FSF). Gemeinsam planen wir Hilfslieferungen, stimmen Bedarfe ab und versuchen, gezielt dort zu helfen, wo Hilfe dringend benötigt wird, aber oft nur schwer ankommt.
Vor kurzem ist unser Partner Tomek von FSF erneut in die Ukraine gefahren. Sein Ziel: Hilfsgüter verteilen, Einrichtungen besuchen und vor allem zuhören. Was brauchen die Menschen vor Ort im Moment wirklich? Wo fehlt Unterstützung am dringendsten?
Sein Bericht gibt einen sehr direkten Einblick in diese Arbeit.

Praktische Lösungen statt kurzfristiger Hilfe
„Heute ist wieder ein Tag voller Einkäufe und Bestellungen“, schreibt Tomek gleich zu Beginn. Er bereitet die nächste Lieferung für die Ukraine vor. Besonders gefragt sind im Moment Gaskocher. Seit das russische Militär gezielt Energieinfrastruktur angreift, leben viele Menschen ohne stabile Versorgung mit Strom, Heizung oder Wasser. Viele greifen deshalb auf kleine Camping-Gaskartuschen zurück. Doch genau diese Kartuschen sind inzwischen kaum noch zu bekommen. Also suchen wir nach einer anderen Lösung: große, nachfüllbare Gasflaschen. Sie sind günstiger, langlebiger und können an LPG-Stationen problemlos wieder befüllt werden.
Doch auch in Polen sind viele Ausrüstungsgegenstände schwer zu bekommen. Statt alles in einem Geschäft zu kaufen, fährt Tomek von Laden zu Laden. Hier ein paar Teile, dort ein paar weitere. „Manchmal dauert es länger, alles zusammenzubekommen“, schreibt er, „aber am Ende klappt es meistens.“
Bevor die 50 Gaskocher- und flaschen verladen werden, bereitet er sie noch vor. Er montiert die nötigen Komponenten und packt alles so zusammen, dass die Geräte in der Ukraine sofort genutzt werden können. Vor allem ältere Menschen sollen sie erhalten. Neben den Gaskochern werden noch 100 Schnellladegeräte, Taschenlampen, Decken, Windeln für Erwachsene sowie weitere Artikel in den Transporter verladen.
Solche Entscheidungen zeigen, worauf es bei humanitärer Hilfe ankommt: nicht nur schnelle Hilfe zu leisten, sondern praktische Lösungen zu finden, die auch im Alltag funktionieren.


Eine unerwartete Anerkennung
Kurz vor der Abfahrt erreichte uns noch ein überraschender Anruf von Tomek: „Das ukrainische Generalkonsulat kommt heute ins Community-Center zu Besuch.“
Während dieses Treffens erhielt „Wir packen’s an“ eine besondere Anerkennung durch den Generalkonsul der Ukraine in Krakau, Wiaczesław Wojnarowśkyj. Außerdem wurde unserem Verein eine Dankesurkunde des Stadtrats von Tschyhyryn überreicht. Tschyhyryn liegt im zentralukrainischen Oblast Tscherkassy. Genau in diese Region wird Tomek kurz darauf einen Teil unserer Hilfsgüter bringen und vor Ort verteilen. In der Region leben knapp 27.000 Binnengeflüchtete.
In der Urkunde dankt Bürgermeister Viktor Kharchenko unserem Verein für Güte, Eigeninitiative und ehrenamtliches Engagement sowie für die humanitäre Unterstützung der Menschen in der Stadtgemeinde. Wir haben uns darüber wirklich von Herzen gefreut.
Diese Anerkennung gehört aber nicht nur uns. Sie gehört allen, die unsere Arbeit möglich machen: unseren großartigen Ehrenamtlichen, unseren Partnerorganisationen und den vielen Menschen, die spenden, mit anpacken und uns vertrauen. Und sie erinnert uns gleichzeitig daran, warum wir tun, was wir tun: weil Solidarität Grenzen überwindet – und weil jede Form von Unterstützung für die Menschen in der Ukraine weiterhin dringend gebraucht wird.




