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Drohnen über der Ukraine: Hilfe wird schwieriger


„Wir sind gerade von einer weiteren Fahrt in die Ukraine zurückgekehrt. Unser Ziel war erneut Mukatschewo in Transkarpatien. Diesmal bestand unsere Ladung hauptsächlich aus Reinigungs- und Hygieneartikeln sowie Lebensmitteln. Die örtlichen Helfer*innen haben heute bereits damit begonnen, alles zu sortieren, Hilfspakete zusammenzustellen und diese an die bedürftigsten Familien zu verteilen.

Neben der Verteilung der Spenden möchte ich auch einige Beobachtungen zur aktuellen Entwicklung der Lage in der Ukraine mit euch teilen. Eine der größten Veränderungen und zugleich eine zunehmende Bedrohung sind die Drohnenangriffe. Während diese früher überwiegend nachts stattfanden und es tagsüber meist ruhig blieb, sind Drohnen mittlerweile rund um die Uhr über der gesamten Ukraine im Einsatz.

Besonders häufig betroffen sind die Gebiete entlang der belarussischen Grenze, über die viele Drohnen in das Land gelangen. Doch die Angriffe beschränken sich längst nicht mehr auf diese Regionen. Mit Ausnahme von Transkarpatien ist inzwischen praktisch das gesamte Land betroffen. Überall sind Drohnen am Himmel unterwegs und greifen ihre Ziele an.

Die aktuelle Lage lässt sich jederzeit über verschiedene Live-Tracking-Dienste verfolgen, die das Geschehen in Echtzeit abbilden. Sie zeigen unter anderem die Position und Flugrichtung anfliegender Drohnen an. Eine gute Anlaufstelle, um sich über die aktuelle Lage zu informieren, ist die Website neptun.in.ua⁠.

Auch die Abläufe an der Grenze haben sich erheblich verändert. Sobald in der Umgebung eines Grenzübergangs Luftalarm ausgelöst wird, stellen die ukrainischen Grenzbeamten die Abfertigung ein und suchen Schutz in den dafür vorgesehenen Schutzräumen. Auch die polnische Seite unterbricht in solchen Fällen ihren Betrieb, da der grenzüberschreitende Verkehr ohnehin zum Erliegen kommt.

Das haben wir am Sonntag selbst erlebt. Gerade als wir den polnischen Grenzposten erreichten, kam ein Beamter auf uns zu und informierte uns darüber, dass Luftalarm ausgelöst worden war und die Abfertigung vorübergehend eingestellt werden musste. Der Alarm dauerte etwa 40 Minuten. Sobald Entwarnung gegeben wurde, öffnete die Grenze wieder, und wir wurden sehr zügig abgefertigt. Alle bemühten sich, den Verkehr so schnell wie möglich wieder in Gang zu bringen. Wir hatten Glück, denn nur zwei oder drei Minuten, nachdem wir die Grenze passiert hatten, wurde erneut Luftalarm ausgelöst. Daraufhin wurde der Grenzübergang für eine weitere halbe Stunde geschlossen.

Erst gestern kreisten beispielsweise zwei Drohnen über der Region rund um unseren üblichen Grenzübergang bei Korczowa. Dabei überflogen sie das Gebiet nicht einfach, sondern zogen wiederholt ihre Kreise über den beiden wichtigsten Grenzübergängen in diesem Abschnitt, Rawa Ruska und Korczowa, sowie über der Stadt Lwiw.

Auf unserer Rückfahrt gestern habe ich die Live-Karte besonders genau verfolgt, da die Flugbewegungen der Drohnen äußerst ungewöhnlich waren. Die erste Drohne kreiste viermal über dem Gebiet, bevor sie eine kritische Energieinfrastrukturanlage in Nowojaworiwsk traf. Dort fahren wir auf unserer üblichen Route immer durch. Die zweite Drohne kreiste anschließend weitere drei Runden, bevor sie etwa 30 Minuten später exakt dieselbe Anlage traf.

Das entspricht der sogenannten russischen „Double-Tap“-Taktik: Ein Ziel wird zunächst angegriffen, und anschließend erfolgt ein zweiter Angriff auf dieselbe Stelle, um die inzwischen eingetroffenen Rettungskräfte und Einsatzteams zu treffen. Glücklicherweise gab es in diesem Fall keine Todesopfer. Dennoch waren die Folgen erheblich: Rund 18.000 Menschen in diesem Teil der Region Lwiw waren infolge des Angriffs ohne Strom.

Wegen dieses Luftalarms wurde der Grenzübergang Korczowa für fast zwei Stunden geschlossen. Innerhalb kürzester Zeit bildeten sich dadurch massive Rückstaus.

Es sieht so aus, als könnte sich daraus eine gezielte Taktik entwickeln: Drohnen bleiben über den Grenzregionen in der Luft, um den zivilen Reiseverkehr, kommerzielle Treibstofflieferungen, Militärhilfe und humanitäre Hilfstransporte zu behindern. Nahezu der gesamte Treibstoff für die Ukraine gelangt über Polen ins Land.

Es sieht so aus, als könnte sich daraus eine gezielte Taktik entwickeln:

Drohnen bleiben über den Grenzregionen in der Luft, um den zivilen Reiseverkehr, kommerzielle Treibstofflieferungen, Militärhilfe und humanitäre Hilfstransporte zu behindern. Nahezu der gesamte Treibstoff für die Ukraine gelangt über Polen ins Land.

Wenn sich die Lage nicht verändert, dürfte nicht nur das Überqueren der Grenze komplizierter, sondern der gesamte Hilfstransport in nächster Zeit gefährlicher werden.“