Flucht & Rassismus. Die selektive Solidarität gegenüber Schutzsuchenden

Am 3. Oktober haben wir zu unserer Podiumsdiskussion „Flucht und Rassismus – Die selektive Solidarität gegenüber Schutzsuchenden“ in die Berliner Kulturmarkthalle eingeladen, um dem überromantisierten Tag der deutschen Einheit ein Zeichen der grenzenlosen Solidarität entgegenzusetzen.

Einheit? Von wegen! Der Ukrainekrieg und der damit verbundene uneinheitliche Umgang mit Geflüchteten haben wieder einmal gezeigt, wie selektiv Solidarität in Deutschland und in Europa gelebt wird.

Illustration Kulturmarkthalle - Wir packen's an
Unser lieber Yorgos Konstantinou hat den Abend spontan in einer Zeichnung der Runde festgehalten. Danke dafür!

Während wir die Willkommenheißung und Hilfsbereitschaft gegenüber ukrainischen Geflüchteten ausdrücklich begrüßen, legen sie erneut die rassistischen und diskriminierenden Strukturen im Umgang mit flüchtenden Menschen offen. Dabei gelten für Menschen, die keine ukrainische Staatsbürgerschaft haben oder die vor anderen Kriegen und Konflikten fliehen müssen, nicht dieselben Rechte wie für ukrainische Geflüchtete. So häuften sich schon kurz nach Beginn des Krieges Erfahrungen von BIPOC, die während ihrer Flucht aus der Ukraine aus Zügen geprügelt wurden – und auch danach immer wieder Rassismuserfahrungen ausgesetzt wurden.

Auch Cathy und Collins, die aus der Ukraine fliehen mussten, berichteten von Diskriminierung auf ihrem Fluchtweg. Davon wie sie geduldig warten mussten, um die kostenfreien Evakuierungszüge betreten zu dürfen, dass selbst Haustieren der Zutritt eher gewährt wurde, und sie schließlich sogar die Zugtickets aus eigener Tasche bezahlen mussten.

„Ich war in der Ukraine, und habe Benachteiligung erlebt. Ich war in Polen, und habe Benachteiligung erlebt. Ich bin in Deutschland, und erlebe Benachteiligung.“ brachte es Collins O. auf den Punkt. Sie wünschen sich einfach nur, dass weniger von „Flüchtlingen“ und mehr von Menschen gesprochen wird und dadurch ein respektvoller, offener Umgang möglich ist.

Uns war es ein großes Anliegen, diese Doppelstandards zu thematisieren und unterschiedliche Perspektiven auf rassistische Narrative im Kontext von Flucht und die langen Echos des Kolonialismus zusammenzubringen.

Flucht und Rassismus Wir packen's an

Wir bedanken uns herzlich bei allen wunderbaren Teilnehmenden für ihre Einblicke und das wertschätzende Gespräch miteinander, sowie bei den Besucher:innen. Wir sind immer noch erfüllt, dass so viele von euch gekommen sind und zu dem anregenden Austausch beigetragen haben.

Gemeinsam haben wir klargemacht, dass wir die Einteilung von Geflüchteten in vermeintliche Klassen nicht hinnehmen und uns solidarisch mit allen Schutzsuchenden zeigen!

Flucht und Rassismus Wir packen's an
Flucht und Rassismus Wir packen's an

Ein weiterer großer Dank geht an die großartige LIN, die das Programm musikalisch abrundete.

Vielen Dank an unsere Dolmetscherin, die Technik und die lieben Leute von der KulturMarktHalle, FluxFM und Rosa-Luxemburg-Stiftung. Ohne euch hätte die Veranstaltung so nicht stattfinden können.


Bilder: Jörg Kandziora photo & Sebastian Schmidt

Flucht und Rassismus Podiumsdiskussion  Wir packen's an
Flucht und Rassismus Wir packen's an
Flucht und Rassismus Wir packen's an